Nun kommen die vielen Weihnachtsbäume

aus dem Wald in die Stadt herein.

Träumen sie Ihre Waldesträume

wieder beim Laternenschein?

 

Könnten sie sprechen! Die holden Geschichten

von der Waldfrau, die Märchen webt,

was wir uns erst alles erdichten,

sie haben das alles wirklich erlebt.

Da steh′n sie nun an den Straßen und schauen

wunderlich und fremd darein,

als ob sie der Zukunft nicht trauen,

es muß doch was im Werke sein!

Freilich, wenn sie dann in den Stuben

im Schmuck der hellen Kerzen stehn,

und den kleinen Mädchen und Buben

in die glänzenden Augen sehn,

 

Dann ist ihnen auf einmal, als hätte

ihnen das alles schon mal geträumt,

als sie noch im Wurzelbette

den stillen Waldweg eingesäumt.

Dann stehen sie da, so still und selig,

als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt,

als hätte sich ihnen doch allmählich

ihres Lebens Sinn enthüllt;

Als wären sie für Konfekt und Lichter

vorherbestimmt, und es müßte so sein,

und ihre spitzen Nadelgesichter

sehen ganz verklärt darein.


Das Gedicht "Weihnachtsbäume" stammt von   (1853 - 1916).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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