(Meiner Mutter)

 

Du warst allein,

ich sah durchs Schlüsselloch

den matten Schein

der späten Lampe noch.

 

Was stand ich nur und trat nicht ein?

Und brannte doch,

und war mir doch, es müßte sein,

daß ich noch einmal deine Stirne strich

und zärtlich flüsterte: Wie lieb′ ich dich.

 

Die alte böse Scheu,

dir ganz mein Herz zu zeigen,

sie quält mich immer neu.

Nun lieg′ ich durch die lange Nacht

und horche in das Schweigen -

ob wohl ein weißes Haupt noch wacht?

 

Und einmal hab′ ich leis gelacht:

Was sorgst du noch,

sie weiß es doch,

sie hat gar feine Ohren,

ihr geht von deines Herzens Schlag,

obwohl die Lippe schweigen mag,

auch nicht ein leiser Ton verloren.


Das Gedicht "Die feinen Ohren" stammt von   (1853 - 1916).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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