Wohl euch, so lang ihr etwas werdet,

Und eure junge Kraft erprobt:

Man rühmt euch, wie ihr euch gebärdet,

Man findet′s löblich, wenn ihr tobt.

 

Doch weh, wenn etwas ihr geworden,

Wenn ausgegoren eure Kraft;

Wenn in der echten Sänger Orden

Mit Ruh′ und Tiefe nun ihr schafft.

 

O wie alsdann man euer Dichten

Mit einem andern Stabe misst,

Dann will euch jeder Knabe richten,

Der immer wird und niemals ist.

 

Dann seid ihr, wie der Sklav′ in Ketten:

Er tue recht - wen kümmert das?

Doch nichts kann vor dem Grimm ihn retten,

Wenn er nur Einmal sich vergaß.

 

So - schafft ihr Großes, schafft ihr Echtes?

Das ist ja nur verdammte Pflicht!

Doch machet Einmal nur nicht Rechtes:

Das duldet, das verzeiht man nicht.

 

Drum seufzt, wer Stümper ist gewesen,

Und nicht mehr ist: o wär′ ich′s noch!

Dann würde mich mein Deutschland lesen,

Und die Kritik, sie riefe: Hoch!


Das Gedicht "Klagelied eines deutschen Dichters" stammt von   (1792 - 1850).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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