Die Zeit geht nicht, sie stehet still,

Wir ziehen durch sie hin;

Sie ist die Karawanserei,

Wir sind die Pilger drin.

 

Ein Etwas, form- und farbenlos,

Das nur Gestalt gewinnt,

Wo ihr drin auf und nieder taucht,

Bis wieder ihr zerrinnt.

 

Es blitzt ein Tropfen Morgentau

Im Strahl des Sonnenlichts;

Ein Tag kann eine Perle sein

Und ein Jahrhundert nichts.

 

Es ist ein weisses Pergament

Die Zeit, und jeder schreibt

Mit seinem roten Blut darauf,

Bis ihn der Strom vertreibt.

 

An dich, du wunderbare Welt,

Du Schönheit ohne End′,

Auch ich schreib′ meinen Liebesbrief

Auf dieses Pergament.

 

Froh bin ich, dass ich aufgeblüht

In deinem runden Kranz;

Zum Dank trüb′ ich die Quelle nicht

Und lobe deinen Glanz.


Das Gedicht "Die Zeit geht nicht..." stammt von   (1819 - 1890).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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