Wie ein Fischlein in dem Garn

Hat der Dom mich eingefangen,

Und da bin ich festgebannt,

Warum bin ich dreingegangen?

Ach, wie unter breiten Malven

Taubesprengt ein Röslein blitzt,

Zwischen guten Bürgersfrauen

Hier mein feines Liebchen sitzt!

 

Die Gemeinde schnarcht so sanft,

Wie das Laub im Walde rauschet,

Und der Bettler an der Tür

Als ein Räuber guckt und lauschet;

Doch wie eines Bächleins Faden

Murmelnd durchs Gebüsche fließt,

So die lange dünne Predigt

Um die Pfeiler sich ergießt.

 

Eichenbäume, hoch und schlank,

All die gotischen Pfeiler ragen;

Ein gewölbtes Blätterdach

Ihre krausen Äste tragen;

Untenher spielt hin und wieder

Dämmerhaft ein Sonnenschein;

Wachend sind in dieser Stille

Nur mein Lieb und ich allein.

 

Zwischen uns webt sich ein Netz

Von des Lichts gebrochnem Strahle,

Drin der Taufstein, grün und rot,

Wandelt sich zur Blumenschale;

Ein geflügelt Knäblein flattert

Auf des Deckels altem Knauf,

Und es gehen uns im Busen

Auch der Sehnsucht Rosen auf.

 

Weit hinaus, ins Morgenland,

Komm, mein Kind, und laß uns fliegen,

Wo die Palmen schwanken am Meer

Und die sel′gen Inseln liegen,

Flutend um die große Sonne,

Grundlos tief die Himmel blaun:

Angesichts der freien Wogen

Unsre Seelen frei zu traun!


Das Gedicht "Der Kirchenbesuch" stammt von   (1819 - 1890).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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