Ueber Wiesen, die am Stadtrand liegen,

Geh ich mit erfreuten Sinnen hin,

Drosseln schnärren – Wolken fliegen –

Im Sausewind rauschen, biegen

Sich die Hecken – grüne Gräser wogen, wiegen –

Und es schnärrt und saust und rauscht und wiegt in meinem Sinn:

Ich weiß, ich bin, ich bin!

 

Drüben von den hohen Schornsteintürmen flattern

Qualm-Fahnen über meine Lärm-Stadt hin:

Menschenvolle Straßenbahnen rattern

In der Ferne, Automobile knattern

Hart vorbei: es stampft und walzt in meinem Sinn:

Ich weiß, ich bin, ich bin!

 

Aus Lärm und Laub, aus meinem Schritt, aus Wolkenschweben,

Aus Millionen Wesen, die mich Mensch umbeben:

Verströmt ein frohverwandtes Aufwärtsheben,

Verströmt mir sausend in den Sinn:

Ich weiß, ich bin mit euch ein Leben!

Ich weiß, ich weiß: ich bin! ich bin!

 

Von nun ab geh ich durch die Häuserstraßen-Enge,

Die übervoll von Schritten, Hufen, Straßenbahn-Gebimmel,

Von nun ab geh ich durch die Promenaden-Menschenmenge,

Durch das frauen-, früchtebunte Wochenmarkt-Gewimmel,

Durch den Wald, durch Baum-Gedränge,

Durch die Morgen-, Mittagsstunden:

Wie mit elektrisiertem Leibe hin!

Wie mit elektrisiertem Leibe hin!

Ich freue mich, daß ich von Leben überall umbunden,

Daß ich zu diesem frohen Stolz gefunden:

Ich bin!


Das Gedicht "Ich weiß: ich bin ein Leben" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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