Ich kam aus den Meeren, ich kam aus der Sonne, ich kam aus dem Wind,

Die alle mir Urväter und Mütter sind;

Aus fallenden Zeiten, aus ewiger Nacht ein lallendes Werde,

Ein schillernder Tropfen, ein hilfloses Kind,

Geworfen auf winzigen Fleck der Erde.

Ein Häuflein Jahre des Lebens,

Gefäß des Kummers und freudig flutenden Bebens,

Ein kreisendes Stündlein vor ewiger Zeit.

O halte, Weltanfang und -Ende mich immer in Demut bereit,

Ich kam aus den Meeren, aus Sonne und Wind,

Und bin nur ein Kind.

 

Ist es nicht immer genug:

Daß dich ein herbstlich verblutender Baum,

Hintaumelnder Vogelflug,

Entzündeter Abendwolken Schaum,

Ein schluchzend einfältiglich Lied,

Das über engende Höfe flieht,

In gottvolle Armut und Nacktheit entrückt,

Unendlich beglückt!


Das Gedicht "Ich bin nur ein Tropfen" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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