Auch diesem Stieglitz da im Blätterfall

Tickt wunderbar in seinem Federball

Ein schüchtern-schluchzend Herz, ein kleines,

Ein Herz wie meins und deines.

 

Der Vogel singt, weil ihn sein Herz bezwingt

Und große Sonnenluft ihn frisch umschwingt -

Er muß von seinem Herzen zehren.

 

Und jedes Flüsterbäumchen, uns vertraut,

Trägt unter seiner weichen Rindenhaut

Ein horchend Neugierherz, ein wachsend kleines,

Ein Herz wie meins und deines.

 

Der Baum verzweigt, und weiter zweigt er still,

Weil frei sein Herz ins Blaue schauen will -

Er muß von seinem Herzen zehren.

 

Wer spürt, wie bald das nächtge Schweigen naht -

Du hast mich lieb und gehst denselben Pfad;

Wir leben zueinander warm und still,

Wie unser ruhlos, wunschgroß Herz es will.

 

Einmal ist Schauerstille um uns her,

Das Herz klopft aus, ist tot und leer -

Wir müssen all von unserm Herzen zehren.


Das Gedicht "Ein herbstlich Lied für zweie" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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