O′ Paradies, daß ich dich liegen wüßte

An jenem Berge, jener Küste –

Wo die Aufgang-Sonne bluterglüht,

Wo das Nachtgewölbe Sterne sprüht –

O′ daß ich′s wüßte –

 

Ich wollte, wie ich bin, aus meinem Alltag,

Nach meinen siebzig Jahren, am Verfalltag,

Gebeugt von schwerem Leben, Arbeit, Sünde,

Noch pilgern in die fernen Morgengründe –

Zu dir, o Paradies – –

 

Will wandern, wenn die Stadt im Abend dunkelt –

Ein Stern mag sein, der vor dem Wege funkelt – –

Ich warte unter Lichtgewimmel,

Daß der neue Morgenhimmel

Bald erblüht –

 

Und dann! – Sieh da liegt im Gottesmorgen

Das gelobte Land! Friedestill, verborgen

Hinter Bäumen, schimmert die Goldblumenwiese –

Und – da steh ich schon in Sonne vor dem Paradiese

An der Pforte –

 

Da tut sich urschön auf der Herrgottsgarten,

Und meine siebzig Jahre warten,

Daß aus dem Blumengrund ein selig Leuchten käme,

Die Pforte öffne und an die Hand mich nähme

Wie einst als Kind.


Das Gedicht "Du Paradies" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte