Düster, breit, kahl und eckig

Liegt im armen Vorort die Fabrik.

Zuckend schwillt, schrill und brutal

Aus den Toren Maschinen-Musik.

 

Schlot und Rohr und Schlot und Schlot,

Heißdurchkochtes Turmgestein,

Speien dickes Qualmgewölk

Ueber traurigstarre Häuser, Straßenkot.

 

Tausend Mann, Schicht um Schicht,

Saugt die laute Arbeits-Hölle auf.

Zwingt sie all in harte Pflicht

Stunde um Stunde.

 

Bis der Pfiff heiser gellt:

Aus offnem Tore strömen dann

Mädchen, Frauen, Mann und Mann –

Blasses Volk – müde – verquält –

 

Schläft der Ort –: glüh und grell

Schreit aus hundert Fenstern Licht!

Kraftgesumm, Rädersausen, Qualm durchbricht

Roh und dumpf die Nacht –

 

Tag und Nacht: Lärm und Dampf,

Immer Arbeit, immer Kampf:

Unerbittlich schröpft das Moloch-Haus

Stahl und Mensch um Menschen aus.


Das Gedicht "Die Fabrik" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte