Steh auf, steh auf!
Ich bin die ganze Nacht im Schnee gegangen –
Die müden Häuser lauschen mit im Bangen,
Nur die blinden Straßenlichter wachen –
Steh auf, und laß uns Hochzeit machen!
Wie lange hab ich meinen Durst ertragen,
Ließ Tage, Städte weiterjagen.
Doch Sehnsucht hat mich hergetrieben –
Ich kann doch dich nur lieben.
Wie kann mich Schlaf zufrieden laben –
Ich bin von weit durch Nacht und Schnee gekommen,
Durch dieselben Gassen hergeklommen,
Und will dich wieder, wieder haben!
Steh auf, steh auf, die Stunden dringen!
Reiß die Gardinen auf und zünde Licht,
Steh auf, ich will die Hochzeit bringen! –
Hörst du, hörst du denn nicht?
Das Gedicht "Der Wanderer im Schnee" stammt von Gerrit Engelke (1890 - 1918).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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