Gott! Zeus! – Christ! Pan!

Gott! Baal! – Zeus! Pan!

Inder-Somar! Wolken-Donar!

Großer Lama! Schöpfer-Brahma!

Aller Götterhirne Schädelhaus!

Alles Götteratems Luftgebraus!

 

All-Hirn! Kraft-Stirn!

Zorn-Arm! Welt-Darm!

Lebenslunge! Kosmoszunge!

 

Alles Sommerblühens Baum,

Alles Narren-Denkens Schwinge,

Aller Tatenfäuste Daum,

Fleisch und Seele aller Dinge:

Anfangsall-Gebärer:

Ewig-Forternährer:

 

Wirf herab die Böllerpauke!

Wirf herab die Weltenpauke!

 

Aller Städtemenschen Herdenstrom

Will ich schlagen laut und barsch,

In Fabrik- wie Kirch- und Wolkendom,

Generalgewaltenmarsch!

 

Alle Laster, Leidenschaften,

Alles Werdens Mutterschaften,

Dirnenliebe, vielgeschmähte,

Alle Telegraphendrähte,

Alles Krankenhaus-Gestöhn,

Aller Hammer Schlag-Gedröhn,

Alle krummen Straßenstränge,

Allen Wirtshaus-Lärm,

Militärkapellen-Klänge,

Alles Mensch-Gedärm

Will ich auf die Pauke spannen,

Daraus Groß-Gesänge bannen!

Trotzig meine Pauke tragen:

Und mit harten Knöcheln schlagen!

Daß sie jedes Ding mit Ehrfurcht nennen,

Deinen Körper überall erkennen!

 

Deines Gipfel-Kopfes

Wolkenschaum-Gelock,

Deines Mundes-Topfes

Städtequalm-Geflock,

Deiner Brüste-Pamir-Platte,

Deines Bauches Straßen-Därme,

Deines Leibes Krater-Wärme,

Deiner Füße Länder-Matte,

Deiner großen Zornes-Pforte

Schwarz-Gewitterwolken-Graus,

Deiner tiefen Kosmos-Worte

Neunte-Symphonie-Gebraus.

Eifersvoll beschlag ich gell

Deiner Pauke Paukenfell:

Daß man hört durch mich!

Alles-Gottheit Dich!


Das Gedicht "Der rasende Psalm" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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