Pochend, pochend, fort und fort

Treibt die Lebensgas-Maschine.

Pochend, pochend, fort und fort.

Treibt im Kreis die Herz-Turbine:

Durch das Lungen-Schwammgekräuse,

Durch des Hirnes Labyrinth-Gehäuse,

Durch die Leber-, Nieren-Schleuse,

Durch der Nährungs-Adern Vielkanäle:

Blutes roten Fluß. –

Weiter fließt der Fluß:

Schmilzt mit Lava-Glut die Aderschäle

Wellend, schwellend, fort und fort:

Springt als Ton: als Schrei, als Wort

In die Straßen-Dissonanz-Choräle,

Geht als Meter-Schritt auf Pflastersteinen,

(Tausendteiliger Druck von Allen Beinen)

Wächst als Arbeits-Griff, als Händedrücken

In das armgetürmte Steinhausblock-Gewirr,

Saust als Peitschenhieb auf Lastpferd-Rücken,

Schwillt als sichtbarwachsend Werk aus Werk-Geschirr.

Pochend, pochend, fort und fort

Treibt im Kreis die Kraft-Maschine,

Pochend, pochend, fort und fort

Treibt im Kreis die Herz-Turbine:

Blut durch Leib- und Stadt-Atom. –

 

Fließt und fließt der warme Strom:

Fließt als Licht aus Bogenlampen:

Zischt als »Fertig-Pfiff« von Hochbahn-Rampen:

Schwerer Qualm aus Bahnsteighallen:

Kaufgeschwirr aus Warenhallen:

Stundenschall vom Kirchenturm:

Fließt als Wort vom Telefunken-Turm:

Wellend, schwellend, fort und fort. –

 

Siebzehn blutdurchdrängte Straßen-Stunden

Voller Lärm und Arbeits-Drang,

Siebzehn rotdurchströmte Körper-Stunden,

Siebzehn Kreislauf-Stunden lang:

Pocht und treibt die Herz-Turbine. –

 

Dann stellt die Alles-Hand

Die Saug- und Speimaschine,

Den Hebelschaft

Auf zehntel Kraft.

Es ruht das Kraftgewelle eine Nacht.

Doch früh beim Sechs-Uhr-Morgen-Pfiff

Verstellt die Hand mit großem Griff:

Das Herz- und Stadt-Getreib auf volle Macht.


Das Gedicht "Blut - Strom" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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