Es traf mein Ohr ein Machtposaunenton,

Ich sprang zu dem, was meine Sinne hörten:

Es war, als wenn wo Saurushirsche röhrten,

Es war so seltsamgroßer Grollerton –

Da stand Er! stand ein Mann auf höchster Spitze!

Da blies Er, mächtig, mächtig wie voll Zorn

Vom lichtgehüllten Wolkendonnersitze, –

Mein Hirn war ob des Wunders ganz verworrn –

Ich lag mit offnem Munde

Am tiefen, tiefen Grunde –

Der Ton noch dicker quoll und schwoll und schwoll:

Mein Grund fing langsam an zu wanken,

Der Wolkenmensch dort oben blies wie toll,

Ein Zittern hob des Berges Flanken

Und schwarze Wolken krallten sich hochoben fest

Und Sturm begann am Fels zu wühlen,

Als wollte er den Mann

Von seiner Riesenkanzel spülen,

Und alles Licht ward jäh vom Dunkel fortgepreßt,

Und drohend rührten sich die Donnertrommeln –

Doch fest stand hoch der Weltentöneschichter:

Er brüllte rasendlauter durch den Trichter –

Noch grauser schwoll das finstre Rommeln –

Der Riese aber blies –

Da brach am Berg der erste Donnerkrach,

Und Ein Blitz sprang ihm nach

Und hieb

Den Mann vom Felsen!

Die Tuba sprang

Der Himmel sprang

Das Allgeschrei in Nacht ertrank – –

Ich weiß nicht mehr, wo alles blieb.


Das Gedicht "Beethoven" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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