Du hast durch Deinen Kuß

Mein stromvoll Blut geweckt

Und mein Gesicht warm aufgehoben aus dem Tag,

Daß mich nun uferlose große Nacht umspült,

Herwehend Glanz und Taumel.

Einwiegend Zittern schwillt in meiner Füße Wurzeln,

Einströmen lassend Erde und Getön,

Und springt aus meiner Kniee Schreiten in die Brust

Zu meerbewegter Melodie,

Darin mein Herz, die Orgel rauscht.

Nun sich im Takte meine Sohlen heben

Und grenzenlos beseeltes Schweben

Die Glieder übergießt:

Hab ich die Arme aufgehoben,

Und fühl, wie meiner aufgelockten Haare Schopf

Die nachtbemalten Wolken streift,

Sternblütenkranz die Stirn umgreift,

Und tanze, tanze zu Dir hin!

Denn meiner segelwilden Sehnsucht Schauer,

All meiner Einsamkeiten Trauer,

Mein hin und her durchflutet Sein,

Und nun des selgen Leibes neue Lust:

Stürmt fort und fort an Deine Brust,

Will nur in Dir geborgen sein.


Das Gedicht "Apassionata" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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