Weit übers Meer her schlägt mir, Mutter,
Dein Herz entgegen –
Wie müssen alle Weiten sich bewegen
Vor deinen Herzenswellen.
Dir strömt, immer kindlich und gut,
Mein Blut wie am Anfang –
Immer wie einst rinnt
Durch mich der ewige Klang,
Dein Muttergesang:
Du, mein Kind!
Schon hebt sich, langsam wandelnd,
Die Stunde, die starker Rührung voll,
Uns wieder zueinander bringen soll!
Schon zittert Freude durch die Weiten –
Schon fühle ich dein Herz herüber gleiten,
Mutter –
Bald kommt der Augenblick
Voll wunderbarer Strömung,
Da ich, ein Kindlein, Mutter,
Wieder zu dir sinke –
Freude will in mir lallen –
Eine Träne wird fallen –
Bald, Mutter, bald!
Das Gedicht "An die Mutter in Seattle" stammt von Gerrit Engelke (1890 - 1918).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
Zur Startseite:
Gedichte