Jüngling aus kristallnem Munde

Sank dein goldner Blick ins Tal;

Waldes Woge rot und fahl

In der schwarzen Abendstunde.

Abend schlägt so tiefe Wunde!

 

Angst! des Todes Traumbeschwerde,

Abgestorben Grab und gar

Schaut aus Baum und Wild das Jahr;

Kahles Feld und Ackererde.

Ruft der Hirt die bange Herde.

 

Schwester, deine blauen Brauen

Winken leise in der Nacht.

Orgel seufzt und Hölle lacht

Und es faßt das Herz ein Grauen;

Möchte Stern und Engel schauen.

 

Mutter muß ums Kindlein zagen:

Rot ertönt im Schacht das Erz,

Wollust, Tränen, steinern Schmerz,

Der Titanen dunkle Sagen.

Schwermut! einsam Adler klagen.


Das Gedicht "Klage (2)" stammt von   (1887 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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