Ich sah in meinem schlaf ein bild gleich einem got,

auf einem reichen thron ganz prächtiglich erhaben,

in dessen dienst und schutz zugleich aus lust und not

sich die torechte leut stets haufenweis begaben.

Ich sah, wie dises bild dem wahren got zu spot

empfieng, zwar niemal sat, gelübd, lob, opfergaben

und gab auch wem es wolt das leben und den tod

und pflag sich mit rach, straf und bosheit zu erlaben.

Und ob der himmel schon oftmal, des bilds undank

zu strafen, seine stern versamlete mit wunder,

so war doch des bilds stim noch lauter dan der dunder;

Bis endlich, als sein stolz war in dem höchsten schwank,

da schlug ein schneller blitz das schöne bild herunder,

verkehrend seinen pracht in kot, würm und gestank.


Das Gedicht "Traum " stammt von   (1584 - 1653).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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