Der Mond hat sich in gelben Rauch gehüllt.
Nun wandert er, der gelbe Schattenfürst
Auf bösem Pfad unlösbar, wie ein Kraut
Mit weißem Stengel plötzlich scheint er fahl.
Die Tiere drehn sich alle nach ihm um.
Die Blinden fangen seine Strahlen auf,
Absuchend mit weißem Auge den Himmel.
Er wandert jede Stunde eine Spanne,
Wie eine Spinne, die die Netze webt.
Er bläst die Schläfer aus den Betten auf.
Und weiße Blumen, Schläfer, Baum und Strauch
Und Erlen sind gebannt
Zu Schatten.
Das Gedicht "Der Mond hat sich in gelben Rauch gehüllt" stammt von Georg Heym (1887 - 1912).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
Zur Startseite:
Gedichte