Aus des Meeres tiefem, tiefem Grunde

Klingen Abendglocken dumpf und matt,

Uns zu geben wunderbare Kunde

Von der schönen alten Wunderstadt.

 

In der Fluten Schoß hinabgesunken,

Blieben unten ihre Trümmer stehn.

Ihre Zinnen lassen goldne Funken

Widerscheinend auf dem Spiegel sehn.

 

Und der Schiffer, der den Zauberschimmer

Einmal sah im hellen Abendrot,

Nach derselben Stelle schifft er immer,

Ob auch rings umher die Klippe droht.

 

Aus des Herzens tiefem, tiefem Grunde

Klingt es mir, wie Glocken, dumpf und matt.

Ach, sie geben wunderbare Kunde

Von der Liebe, die geliebt es hat.

 

Eine schöne Welt ist da versunken,

Ihre Trümmer blieben unten stehn,

Lassen sich als goldne Himmelsfunken

Oft im Spiegel meiner Träume sehn.

 

Und dann möcht ich tauchen in die Tiefen,

Mich versenken in den Widerschein,

Und mir ist, als ob mich Engel riefen

In die alte Wunderstadt herein.


Das Gedicht "Vineta" stammt von (* 1794-10-07, † 1827-10-01).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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