Am Brunnen vor dem Tore

Da steht ein Lindenbaum

Ich träumt in seinem Schatten

So manchen süßen Traum

Ich schnitt in seine Rinde

so manches liebes Wort

Es zog in Freud und Leide

Zu ihm mich immer fort

 

Ich mußt auch heute wandern

Vorbei in tiefer Nacht

Da hab ich noch im Dunkel

Die Augen zugemacht

Und seine Zweige rauschten

Als riefen sie mir zu:

"Komm her zu mir, Geselle

Hier findst du deine Ruh"

 

Die kalten Winde bliesen

Mir grad ins Angesicht

Der Hut flog mir vom Kopfe

Ich wendete mich nicht

Nun bin ich manche Stunde

Entfernt von diesem Ort

Und immer hör ich′s rauschen:

"Du fändest Ruhe dort"


Das Gedicht "Der Lindenbaum" stammt von   (1794 - 1827).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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