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Der Lindenbaum


Am Brunnen vor dem Tore

Da steht ein Lindenbaum

Ich träumt in seinem Schatten

So manchen süßen Traum

Ich schnitt in seine Rinde

so manches liebes Wort

Es zog in Freud und Leide

Zu ihm mich immer fort

 

Ich mußt auch heute wandern

Vorbei in tiefer Nacht

Da hab ich noch im Dunkel

Die Augen zugemacht

Und seine Zweige rauschten

Als riefen sie mir zu:

"Komm her zu mir, Geselle

Hier findst du deine Ruh"

 

Die kalten Winde bliesen

Mir grad ins Angesicht

Der Hut flog mir vom Kopfe

Ich wendete mich nicht

Nun bin ich manche Stunde

Entfernt von diesem Ort

Und immer hör ich′s rauschen:

"Du fändest Ruhe dort"



(* 07.10.1794, † 01.10.1827)




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