Im Apfelbaume pfeift der Fink

Sein: pinkepink!

Ein Laubfrosch klettert mühsam nach

Bis auf des Baumes Blätterdach

Und bläht sich auf und quackt: »Ja, ja!

Herr Nachbar, ick bin och noch da!«

 

Und wie der Vogel frisch und süß

Sein Frühlingslied erklingen ließ,

Gleich muß der Frosch in rauhen Tönen

Den Schusterbaß dazwischen dröhnen.

 

»Juchheija, heija!« spricht der Fink.

»Fort flieg ich flink!«

Und schwingt sich in die Lüfte hoch.

 

»Wat!« ruft der Frosch, »dat kann ick och!«

Macht einen ungeschickten Satz,

Fällt auf den harten Gartenplatz,

Ist platt, wie man die Kuchen backt,

Und hat für ewig ausgequackt.

 

Wenn einer, der mit Mühe kaum

Geklettert ist auf einen Baum,

Schon meint, daß er ein Vogel wär,

So irrt sich der.


Das Gedicht "Fink und Frosch" stammt von   (1832 - 1908).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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