Herzeliebez frowelîn,

got gebe dir hiute und iemer guot!

kund ich baz gedenken dîn,

des hete ich williclîchen muot.

waz mac ich dir sagen mê,

wan daz dir nieman holder ist? dâ von ist mir vil wê.

 

Sie verwîzent mir daz ich

ze nidere wende mînen sanc.

Daz si niht versinnent sich

waz liebe sî, des haben undanc!

sie getraf diu liebe nie,

die nâch dem guote und nâch der schœne minnent; wê wie minnent die?

 

Bî der schœne ist dicke haz:

zer schÅ“ne niemen sî ze gâch.

liebe tuot dem herzen baz:

der liebe gêt diu schœne nâch.

liebe machet schœne wîp:

des mac diu schœne niht getuon, sin machet niemer lieben lîp.

 

Ich vertrage als ich vertruoc

und als ich iemer wil vertragen.

dû bist schœne und hâst genuoc:

waz mugen si mir dâ von gesagen?

swaz si sagen, ich bin dir holt,

und nim dîn glesîn vingerlîn für einer küneginne golt.

 

Hâst dû triuwe und stætekeit,

sô bin ich des ân angest gar

daz mir iemer herzeleit

mit dînem willen widervar.

hâst aber dû der zweier niht,

sô müezest dû mîn niemer werden. owê danne, ob daz geschiht!


Das Gedicht "Herzeliebez frowelîn" stammt von (* 1170-00-00, † 1230-00-00).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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