Der Narotschsee lag hell in goldner Schau
und gab sich ganz der Morgensonne hin.
Da sprang der Frühling übers Drahtverhau
ans Herz mir ,daß ich voller Lachen bin!
Der Pendelposten , der im Graben ging,
- die ew ′gen tausend Schritte hin und her -,
weiß Gott , woher er heut sein Lachen fing!
er sang von Schulterwehr zu Schulterwehr.
Wer lange sitzt , muß rosten ....."blies und sang
er wechselweis, bis er den Leutnant sah.
,,Blas weiter , Junge !"Und der Frühling sprang
ihm lachend auf die Mundharmonika.
Die liebe , leise junge Sonne wob
durch goldnen Wolkenschaum und ros′gen Strauch.
Und klingend aus der lauen Furche stob
der Kibitz durch den braunen Ackerrauch.
Das Gedicht "Frühling am Narotschsee" stammt von Walter Flex (* 1887-07-06, † 1917-10-16).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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