Löset von diesem brief sanft den knoten

Empfanget ohne groll meinen boten

Denket er käme von einem toten!

 

Als ich zuerst euch traf habt ihr gesprochen:

"Dort haust ein wurm der jeden feind verachtet"

Zu seinen klüften bin ich flugs gesprengt

Nach heissem ringen hab ich ihn erstochen

Doch seitdem blieb mein haar versengt–

Worob ihr lachtet.

 

"Ich hätte gern den turban des korsaren"

So scherztet ihr – ich folgte blind

Und bin aufs meer in lärm und streit gefahren

Mit meinem linken arme musst ich′s büssen

Den turban legt ich euch zu füssen

Ihr schenktet ihn als spielzeug einem kind.

 

Ihr saht wie ich mein glück und meinen leib

In eurem dienst verdarb

Euch grämte nicht in fährden mein verbleib

Ihr danktet kaum wenn ich in sturm und staub

Euch ruhm erwarb

Und bliebet meinem flehen taub.

 

Nun leid ich an einer tiefen wunde

Doch dringt euer lob bis zur letzten stunde

Schöne dame aus meinem munde.


Das Gedicht "Im unglücklichen tone dessen von..." stammt von (* 1868-07-12, † 1933-12-04).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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