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Fretowische Fröligkeit


Meinen Liebsten Freunden und Mittgenießern

der Fretowischen Fröligkeit sey dises zu den Füssen

geleget und freundtlichen anbefohlen

 

Kegenwertiges Getichte / dz zu Ehren der Fretowischen Fröligkeit angefangen / solte ja besser und viel besserer sein eß gehet mich aber damit / als es gemeinlich daher gehn pflegt / daß das / welches am meisten schöne seyn soll / das schlechteste wird. Doch weiß ich nicht / Liebste Freunde und Freundinnen / waßer uhrsachen mir unser Phebus so ungünstigk ist / daß meine Feder denselben / den sie für allen auff der Welt verpflichtet ist / jetzo verstimpelt wird / kan endtlich nichts daraus schliessen / als das die Neun Schwestern nicht Damit zu frieden sein / und es für eine grobe Künheit schetzen / wen eine mit so schlechtem verstand begabte Persohn wie die meine / eine so hohe Fröligkeit gnugsahm zu beschreiben sich unterwinden darff. Dem sey nun / wie ihm wölle / so ist doch einmahl gewiß / daß der / der etwas liebet / immer von dem geliebten rädet / tichtet / schreibet / und sich tächlich quelet / etwas zu erdencken / das zu deßen Ehre (das er liebet) gereichen möge; Und ob ich zwar wol / in betrachtung meiner Unwürdicheit / gezweiffelt / Ob ich / Euch zu Ehren / meine Feder netzen dürffe / so ist doch meine zuversicht zu euch so groß / daß ich der bestendigen Hoffnung gelebe / Ihr werdet diese hierinn begangene Fehler mit dem Mantel der Freundtschafft freundtlich zu decken / und den geneigten willen an stadt schuldiger danckbarkeit / von mir annehmen / weil es ja einig darümb geschrieben / daß unsere Fretowische Fröligkeit / des hochverdienten Lobes nicht beraubet werde / pitte undter deßen / Ihr wollet nicht etwas / das euch für augen kompt / wegen Schönheit / höher halten / als mein Fretow / sondern die Freundschafft / die Krone der Sterblichen / allen andern schetzen fürziehen. Ihr wollet auch dieser Freundtschafft keine Flügel / die euch etwa die Hoffart geben könte / ansetzen / sondern in Ewicheit euwere Trewe unverbrüchlich beybehalten; Zwar kan ich bereits nicht versichert sein / daß nicht etzliche undter Euch (Ja wol meine Liebsten) mir nicht das beste nachreden / wiewol ihnen solches die Tugendt nicht befiehlt / So ist dennoch der Fretowische Glaube so groß bey mir daß ich solches alles / wen es mir fürgebracht wird / in den Windt schlage / und gedencke / daß ich von euch allen gelobt zu werden / noch nicht verdienet habe / bitte aber schließlich / Ihr wollet dise schlechte Reime so lang verlieb nehmen / biß der Himmel mir krefte verleihen wirt / (welches ich dan stetigs wündschen wil) damit ich mein zu dienen begieriges Herze / und grosse zuneigung / euch vollenkommen erweisen magk / und Ihr spüren müget / daß ich dieselbe in der that und wahrheit bin / die sich nennet Euwere biß in Ihr finster grab ergebene Dienerin / als unwürdige Mitgenießerin

 

Fretowischen Fröligkeit.

 

Den 8. Decemb. An. 1633.

 

S. S.

 

H. L. G. [= Hilf Lieber Gott]

 

Ist schon die gantze Welt im Bluhte durchgenetzet /

So bleibt doch etwas noch / damit man sich ergetzet;

Ob schon ein Mensche gantz verlacht das Thun der Welt /

So hat er doch noch was in ihr / das ihm gefellt /

Und das er rühmt und lobt; kein Traurich sein / kein klagen

Ist so groß / daß es kan den Augen gantz versagen

Den Schein / der Lust erkiest; Nach seufftzen / ach und Leidt

Kömpt dennoch wiederumb die frewdenreiche Zeit /

Die Hertz und Sinn erquickt; gleich wie nach einem Regen

Apollo besser scheint; die Frewd ist auff den Wegen /

Wen Trauren bey uns ist. Ein Unmensch muß es sein /

Der hier nicht etwas sucht / das ihm gefellt allein /

Und das er sich erkiest; In dem ich dieses setze /

So fellt mich Fretow ein / damit Ich mich ergetze;

Das Feld / da Freundtschafft blüht / die Kummerwenderin /

Des starcken Todes Todt / da auch der Musen Sinn

Und Geist die Flügel kriegt. Ein ander lobe Güeter /

Ich Lob und Liebe nur die Treue der Gemütter /

Die Fretow auch erkiest; das Feld / das schöne Thal

Ist mit der Freundschafft Lust gezieret überall:

Der Ort / der schönste Ort / da bey den küelen Quellen

Die Musen ihre Lust / und ihren Tantz anstellen /

Daselbst der grüne Pan auff seiner Feldschalmey

Den Nimphen lieblich spihlt / so lange bis der Rey

Wirt gäntzlich angestellt; Hier sieht man ümher lauffen

Der Satyrn gantze Schar / und der Najaden Hauffen;

Man sagt / daß Venus hier zum ersten sey verliebt /

Darumb sie diesen Ort uns zu bewohnen giebt /

Damit die Liebe magk an diesem Orte bleiben /

Und hier Regirer sein: drüm wil ich einig schreiben

Von dieses Ortes Lust; Hier sieht man umb den Strauch

Ein Bildt der Liebe stehn / bei jenem Brunnen auch /

Hier trewe Freunde gehn / dort dan die Götter sitzen /

Die unser liebes Feldt für Feientschafft beschützen.

Der klugen Schwestern Schar stimbt hier so lieblich an /

Daß auch ein sterblich Mensch nichts bessers hören kan.

Hier sehn von fernen zu die werten Pierinnen /

Was Ihre Kinder doch für Freundschafft halten künnen.

Der Himmel lachet selbst / dieweil ihm auch gefellt

Die Trew und Redligkeit / die auß der gantzen Welt

Hieher gelauffen ist; Die Berg und Hügel springen

Mit ihren Bluhmen auff; Die Echo hört man singen;

Die Todten leben da; man sihet nichts den Lust /

Die ihr / der Städte Volck nur gentzlich meiden must.

Nun fragstu / was es sey / daß jener kam gelauffen

In unsre Compagney / und sagte von dem Hauffen

Der Kelber krummen sprunck? Hier geht der Sonnen Vieh /

Davon Homerus schreibt / das weidet nuhmehr hie /

Und lest die Insel stehn / darin es vohr gewesen /

Als Ihn′n Ulisses Volck die besten ausgelesen /

Und in den Bauch verschart; Hier geht die weisse Kuh /

Die Argus hütten muß / und lauffet mit herzu /

Die Wiesen zu besehn; und diese Lust empfinden

Sunst keine nur als die / die hier sich auch verbinden

In einen festen Bandt. Wir sehn die Götter nicht /

Im fall Apollo uns den Nebel über ziecht:

Die Feder aber macht / daß wir fast täglich sitzen /

Und hören fleissig zu auff des Parnassus Spitzen

Der dreymal dreyen Chor / davon uns Hertz und Sin

Gleich gantz als fewrich wirt / und von der Erden hin

Bis an die Sterne fleucht. Und möcht uns etwa fragen

Ein solcher / der nicht weiß von dieser Lust zu sagen /

Der in der Stadt nur wohnt / da nichts als Krieg und Streit /

Als böß gerüchte wechst und harte eisern zeit /

Woher der Nahme sey / den dises Dorff bekommen?

Der wiße / daß er nicht aus Griechen ist genommen /

Noch auß Arabien / den Fretow ist ein Wort /

Das von der Einfalt Volck / den Bauwren / erst gehört /

Den′n es zum ersten mahl ist in den Mund geflogen /

Und etwan unbedacht dem Dorffe zugezogen /

Dieweil der Ackersman auff seinen Pflug nur denckt /

Und mit der Wörter zier sich leßet ungekrenckt /

Weils sein Beruef nicht ist; Der Nahme mag so bleiben /

Wans aber nöttig thut / so kan man ihm zu schreiben

Viel Nahmen / die es werth / und mit der that erfüllt:

Es heißt ein Ort / da man die Last der Sorgen stillt;

Ein Wohnplatz aller Lust / von Pallas außerlesen;

Ein Kunststück der Nathur; es heist ein herlich wesen /

Dz Göttern selbst gefellt; ein Ort / der Freundschafft trägt /

Und allen Haß und Streit von seiner Seiten legt.

Wens recht genennt soll sein / so magk man billich sagen:

Ein Ort / darauff ein Mensch sein gantzes wolbehagen /

Und alle Sinnen setzt /der Götter steter Preiß /

Und grüner Tantzplatz selbst / Ein Irdisch Paradeiß /

Der Freundtschafft festes Schloß: Den Freundschafft ist und bleibet

Dieselbe die mich itzt zu meiner Feder treibet;

Die Freundschafft ist mein Trost / die Freundschafft ist mein Raht /

Die Freundschafft / die mich selbst mir fast genommen hat /

Ist meine högste lust. O wolte Gott vergönnen /

Daß mir mein Fretow nur so würde lieben können /

Als ich es lieben kan / es solte Damon nicht

Und Pythias / die doch der Freundtschafft helles Liecht

Und Krone sein gewest / den ruhm mehr können führen /

So herlich solte uns das Liecht der Freundtschafft zieren!

Ach! wünsch ich / möcht ich itzt / ach mögt ich immerzu

Bey meinen Freunden sein / so wehr ich voller Ruh /

Und außer aller Noth! Ja durch der Freundschafft Gaben

Sol Fretow seinen Sitz gahr nah den Sternen haben /

Und über alles gehn / was dieser ErdenKreiß /

Und wehr er noch so groß / für schöne sachen weiß /

Und in sich tragen kan. Zwar Fretow hat nicht sachen /

Die nur die Haut / und nicht das Hertze schöner machen /

Hier ist kein gülden Koht / dem nur ein Narr ist holdt /

Die Freundschafft aber ist hier gülden ohne Goldt.

Hier findt man kein Gebäw / das an den Himmel reichet /

Und unterdessen doch der Höllen wenig weichet /

Weil dieses einig nur ist hohe Nidrigkeit /

Und Hoffart wieder Gott / der doch von Hoffart weit /

In Demuht oben sitzt / hier findt man keine Mauwren /

Die dreißig Ellen dick; Hier bauwen uns die Bauwren

Von Strauchen einen Zaun / davor die Freundtschafft steht /

Damit der Feiend nicht auff diesem Sande geht /

Der nichts als Freundtschafft trägt; Hier ist kein Werck zu schauwen /

Darauff man zwantzig Jahr und länger müßen bauwen;

Hier ist kein künstlich Bildt der Sonnen auffgericht /

Das köstlich heißen soll / und doch bestehet nicht;

Hier ist der Tempel der Dianen nicht zu spüren /

Den man in so viel Jahrn kaum wissen auffzuführen;

Hier ist dem Jupiter kein Contrafeyt bestellt /

Das / ob es zwar ist schön / doch stirbet mit der Welt;

Hier ist kein kunstlich Werck / das da zu einem Zeichen

Den Schiffen ist gesetzt / die bald den Port erreichen /

So bald sie nur ein Liecht hienein gesetzet sehn /

Dadurch sie in der Nacht des Weges nicht entgehn.

Hier ist kein Wunderberg / der siedent Hartz ausspeyet /

Wie sunst Vesuvius / und seine Flammen strewet

Mit hauffen Himmel an; hier sieht man keine Grufft /

Darauß die blinde Welt das Goldt zum Gotte rufft.

Zwar ist ein Werck / da die Natur hat anbeweiset

Ein guhtes Meisterstück / wol würdig / daß mans preiset /

Und in die Bücher setzt / so ist mein Fretow doch /

Da selbst die Einfalt wohnt / viel besser aber noch /

Als da man Trug und List bey schönen Künsten findet /

Hier / hier ist Lieb und Trew / die nicht so leicht verschwindet /

Als vieler Menschen fleiß / darümb man Fretow findt

In vollen Bluhmen stehn / so lange Bücher sindt /

Und Tugendt oben steht. Hier hat sich selbst erwehlet

Die Tugend einen Sitz / und sich mit uns vermehlet /

Die nicht Betruch und List noch falschheit leiden kan /

Und sieht viel lieber hier die klahre Einfalt an /

Als dort ein köstlich Schloß / sie will uns selber preisen /

Drüm / daß wir Ihren Wegk mit steiffem Fusse reisen.

Thalia windet uns schon eine LorbärKron /

Das ist der Freundschafft Recht / und wolverdienter Lohn.

O wol / und aber wol / der nur allhie kann bleiben /

Und mit der Freundschafft Trew der zeiten Rest vertreiben!

Was will dan thun der Todt? Was will dann thun der Neidt /

Bey dem / der ist befreyt auß aller Sterbligkeit?

Ach mögt ich immerzu allhier die Schaffe weiden /

Wie gerne wolt ich doch den Schäffer nahmen leiden!

Macht mir alhier ein Grab / dan Fretow ist mein ziel /

Und wann ich da nur bin / so bin ich / wohr ich wil.



(* 14.02.1621, † 31.07.1638)




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