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Ein Christliches Sterblied


Wiltu noch nicht Augen kriegen /

O du gantz verbößte Welt /

Da du doch siehst niederliegen

Manchen außgeübten Helt /

Da du doch offt siehst begraben /

Die es nicht gemeinet haben!

Wie lang wiltu Wollust treiben?

Wielang / meinstu / hastu Zeit?

In der krancken Welt zu bleiben?

Wielang liebstu Uppigkeit?

Da doch einer nach dem andern

Muß auß disem Leben wandern.

Ey / was hastu fur Gedancken /

Wan da so viel Leichen stehn?

Wan da liegen so viel Krancken /

Die den Todt für Augen sehn?

Wan die Götter dieser Erden

Selber auch begraben werden?

Wirstu dich nicht eh bedencken /

Eh der warme Geist entweicht /

So wirstu dich ewig krencken /

Darümb / weil der Todt uns schleicht

Stündlich nach auff allen Seiten /

Soll man sich dazu bereiten.

Gib mir Gott ein Sehlig Ende /

Führ mich durch des Todes Thal /

Nimb mich fest in deine Hende /

Kürtze mir des Todtes Qual /

Laß mein Hertze nicht verzagen

Für des Todes grimmen Plagen!

Laß mir nach die schweren Sünde /

Gib mir deinen Frewdengeist /

Das ich Ruh der Sehlen finde!

Darüm bitt ich allermeist /

Laß mich auch ja nicht berauben /

Sondern mehr mir meinen Glauben!

Hier mein Gott / hie schlag und plage!

Hier / HERR Jesu / reck undt streck!

Hier hier trenne / brenn undt jage!

Hier reiß / schmeiß / krenck / senck undt schreck!

Laß mich hier die Straffe spüren /

Die mir solte dort gebüren!



(* 14.02.1621, † 31.07.1638)




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