Wir haben ein Bett, wir haben ein Kind,

mein Weib!

 

Wir haben auch Arbeit, und gar zu zweit,

und haben die Sonne und Regen und Wind.

Und uns fehlt nur eine Kleinigkeit,

um so frei zu sein, wie die Vögel sind:

Nur Zeit.

 

Wenn wir sonntags durch die Felder gehn,

mein Kind,

und über den Ähren weit und breit

das blaue Schwalbenvolk blitzen sehn,

oh, dann fehlt uns nicht das bißchen Kleid,

um so schön zu sein, wie die Vögel sind:

Nur Zeit.

 

Nur Zeit! Wir wittern Gewitterwind,

wir Volk.

Nur eine kleine Ewigkeit;

uns fehlt ja nichts, mein Weib, mein Kind,

als all das, was durch uns gedeiht,

um so kühn zu sein, wie die Vögel sind.

Nur Zeit!


Das Gedicht "Der Arbeitsmann" stammt von (* 1863-11-18, † 1920-02-08).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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