Ein Freundschaftslied.
Über die weite Wiese der Lust
Wandelt zaghaft mein bester Freund.
Was ich Gutes von Ihm gewußt,
Vergaß ich, als ich ihn da sah.
Über der weiten Wiese der Lust
Schwebt ein häßliches Ungethüm.
Was ich greifbar an dem erkannt,
Verschwamm mir, als ich ihn da sah.
Auf jene weite Wiese der Lust
Lauf′ ich plötzlich dem Freunde nach.
Was Er Gutes von Mir gewußt,
Vergaß Er, als Er Mich da sah.
Auf jener weiten Wiese der Lust
Läuft ein Freund mit dem Andern fort.
Wer die Freundschaft in uns erkannt,
Bestritt, daß er den Kern da sah.
Das Gedicht "Die Wiese der Lust" stammt von Paul Scheerbart (* 1863-01-08, † 1915-10-15).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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