Wie helle Raupen kriechen die Chausseen

Aus Wäldern über Berge in die Tale.

Gestrandet liegen Wolken, groß wie Wale,

Still in der Abendröte blanken Seen.

 

Der Tag versiegt. Bis ihn die Frühen speisen,

Quillt schwarze Nacht aus allen Himmelsbronnen.

Die Sterne scheinen, kleine, ferne Sonnen.

Der Teich im Hofe glänzt wie dunkles Eisen.

 

Der Mond steht, wie ein Junge in der Pfütze,

Hell über jedem Garten. Und wie Gaze

Schimmert der Wald, des Berges blaue Mütze.

 

Aus einer Kleinstadt ragt des Kirchturms Vase

Verschnörkelt aus der Giebeldächer Nippes.-

Schlaf hält die Menschen fest, steif, wie in Gips.


Das Gedicht "Nacht für Nacht" stammt von   (1885 - 1921).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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