Du sagst, du liebst mich. Oh, ich danke dir!

Zwar kenn ich dieses Wort als Lüge nur,

Doch klingt es süß, wie liebliche Musik,

Und gerne glaubt man, was so lieblich klingt.

Ich will es glauben, und ich bitte dich:

Nimm diesen Glauben als Entgegnung an.

Mir selber will das Wort "Ich liebe dich"

Nicht mehr vom Herzen auf die Lippen gehn.

Dem Boden, der von mitleidlosem Fuß

Zerstampft ward, dem der Bosheit dürre Hand

Salz in die Furchen streute, wollen Rosen nicht

Entblühen, – blasse Nesseln bringt er nur.

So sieht mein Garten aus, – ein Nesselbeet.

Willst du ihn lieben? Wunder sind geschehn!

Die Liebe ist die beste Gärtnerin.


Das Gedicht "Paris, 16. Oktober 1900" stammt von (* 1865-06-28, † 1910-02-01).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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