Nun muss der Schnee vom Haupt der Berge steigen:

die Sonne giebt ihm länger keine Ruh.

Sie will dir ihre neuen Wunder zeigen,

den Blüthenschnee, verstreut auf allen Zweigen –

das Haupt vor solcher frohen Fülle neigen

musst nun auch du.

 

Schon dampft es von den Höhn zu höchsten Hallen:

ein Zauber überwebt das tiefe Blau.

Es formt sich überm See zu Riesenballen,

nicht lange mehr, da hörst du Donner schallen

und Segensströme auf den Frühling fallen

aus Wolkengrau.


Das Gedicht "Schneeschmelze" stammt von (* 1864-06-03, † 1905-02-11).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte