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Die Untergangsstunde der Titanic


Mein Hund, mein Freund, der mir zu Füßen kauert,

Stößt mit der Schnauze an mein Knie. Er fragt:

"Herr, sprich, warum dein Menschenblut erschauert!

Die Stille um dich stundenlang schon klagt,

Sie rief mir zu: Dein Herr, er trauert."

 

Da so mein Hund im morgendlichen Raum

Mich weckte, war ich lange wach gewesen,

Seit langem wach, und war doch tief im Traum.

Mir war, ich hatte tagelang gelesen,

Nein, Jahre - oder nur Sekunden kaum.

 

Ich las in einem Buch, des Zeilen flossen

Auf jedem Blatt wie Wellengänge fort.

Bald hell, bald dunkel, und zugleich zu großen

Gestalten wuchsen Silben an und Wort,

Raketen ähnlich, die die Nacht durchschossen.

 

Die Worte wurden reich ein Ozean.

Sie wogten vor mir unterm Mondschein weiter,

Und ein Wort kam als Schiffskoloß heran.

Ich las und glitt dem Mondlicht nach, das heiter

Auf weiten Wellen tastend tanzen kann.

 

Doch dann erschreckte mich ein ungeheures Wesen.

Es kam zu mir aus fernen Zeilen nah, -

Ein Wort, von dem ich in den Büchern mal gelesen,

Doch dessen Körper ich noch nie vor Augen sah.

Und atemlos ist dann mein Traum gewesen.

 

"Eisberg", - das Wort ging noch im Zimmer um,

Noch jetzt, da ich das Hündlein winseln hörte.

In meinen Ohren aber war ein wild Gesumm

Von Menschen und von Schiffsmaschinen, das mich störte.

Doch vor mir in dem Zimmer stand der Morgen stumm.

 

Nicht ruhig aber lag im Land mein altes Zimmer.

Es wanderte noch mit dem Eisberg fort,

Und auch durchs Fenster sah des Eises Schimmer.

"Titanic" - war ein zweites großes Wort,

Das sagten meine Lippen lautlos immer.

 

"Titanic!" war ein zweiter großer Schrei.

Es trug ihn wohl nun schon zu hundert Malen

Mein Herz aus dieser Nacht zu mir herbei.

Ich sehe noch die Menschen, jene tausend fahlen,

Die sanken mit dem Wort wie eine Welt aus Blei.

 

"Titanic!" schrieen sie. Das Wort, es sollte retten.

Sie schleudern′s tausendmal dem Eisberg hin

Und flüchten fort vom Tanz, aus Spielsaal, Schlaf und Betten.

Doch ach, das Wort verlor das Leben und den Sinn;

Ward allen schwerer als die schwersten Ketten.

 

Wie klang "Titanic" erst unfassbar groß!

Unüberwindlich kam das starke Wort geschwommen,

Ein unversinkbar Schiff, das aller Stolz genoss.

Zu spät ward seine Maske ihm genommen.

Es war der Tod, verkappt, der hin zur Tiefe schoss.

 

Der Tod, in jenes Riesenwort gehüllt, der bleiche,

Hat Tausend angelockt, die auf das Wort vertraut.

Die Toren trug er hin zu seinem Reiche,

Die blind zum Wort "Titanic" aufgeschaut.

Der Tod, er lenkte selbst des Steuerrades Speiche.

 

Der Tod, er stellt den Kurs zum Eisberg ein.

Der Eisberg, der Titan bei den Titanen,

Er soll des Schiffstitanen Henker sein.

Es wollte keiner hier des großen Wortes Schwäche ahnen,

Es wiegte Stolz an Bord die tausend Ahnungslosen ein.

 

Ich seh′ noch festlich aus der Nacht den Schiffsrumpf ragen.

Wie Reihen goldener Monde sind die Scheiben

Der Fensterluken leuchtend an den Rumpf geschlagen,

Und ungeheure Wirbel schweren Rauches treiben

Aus den Vulkanen, die den Schiffsleib tragen.

 

Es ist ein prächtig Bild in jenem Buch, das zu mir spricht,

Und dessen Zeilen weiter fort zerfließen.

Dann leuchtet fern auf wie Magnesiumlicht

Zur Nacht die Helle jenes Eisbergriesen.

Sie mahnt wie an ein übersinnliches Gesicht.

 

Und wäre nicht Triumph Schiffsherr gewesen,

So wäre nie das Schreckliche geschehn;

Auch dieses konnte ich aus jenem Buche lesen.

Nie hätte ich des Schiffes Untergang gesehn,

Wenn Demut mitgefahren wäre, sie, die von weisem Wesen.

 

So landete der Schall nur von dem Wort

"Titanic" überm Meer im Neuyork-Hafen.

Der Eistitan, er riss den Schiffstitanen in die Tiefe fort.

Des Schiffes Anker niemals Land antrafen,

Und nur ein Hilferuf drang zum Bestimmungsort.

 

Schwer wird es mir, der Bilderreihe nachzugehen,

Die sich im Wirbel jetzt aus langen Zeilen rollt.

Ich möchte für die Untergehenden um Gnade flehen.

Ich möchte rufen, dass ihr alle retten sollt, -

Doch gar zu schnell des Buches Schrecknisse sich drehen.

 

Nachdem das Schiff mit voller Fahrt gerannt

Und ohne Furcht noch Vorsicht mehr zu kennen,

Wird jenen Übermütigen am Eisberg bald bekannt,

Dass Toren nur ein Menschenwerk frech unvergänglich nennen.

Ach, alles Tun der Sterblichen ist an die Sterblichkeit gebannt.

 

Stets in der Ohnmacht muss das Sterbliche verschwinden,

Und unvergänglich nenne nie die Menschentat.

Dem Starken kann sich stets ein Stärkerer noch finden,

Den Triumphierenden meist sein Triumph zertrat.

An Wortprunk sollst du nicht dein Leben binden. -

 

So hochgetürmt war dieses Schiff, dass auf dem höchsten Deck

Den Stoß des Eises, der den Rumpf am Grund zerschnitten,

Nicht einer spürt. Und auch die erste Kunde von dem Leck

Wird von den meisten leicht belacht, bestritten.

Denn hier an Bord titanenhaft zu sein, das war vereint der Zweck.

 

Es war des Schiffes allererste Fahrt. Es flog in Eile.

Man jagte Knoten über Knoten ab,

Und man empfand das Jagen als Kurzweile.

Gesichert durch die wasserdichten Schotten vor Tod und Grab,

Wich man dem Eis nicht aus, um keine Meile.

 

Man tanzte noch nach dem Zusammenstoß im Saal, der unberührt,

Und der in seinem Schwebegleichgewicht nicht schwankte.

Man scherzte, denn man wusste vom Triumph geführt

Das Schiff. Man spielte, schwatzte, zankte

Mit Herzen, die der Tod bereits gekürt.

 

Triumph der Technik glänzte in den Räumen,

Im Sport- und Spiel- und Badesaal,

Und die Musik bei Tafel, bei der Speisen Wahl,

Sie übertönt des Meeres wüstes Schäumen.

 

Schon sah ich, dass der Schiffsrumpf schwerer ging

Und Lichterreihen tiefer Fenster schwanden.

Und immer noch drang Lust und der Musik Gering

Von all den Oberdecks, wo Angstgerüchte keinen Eingang fanden,

Weil dort der hellste Lebensglanz die Sterblichen umfing.

 

Des Eisbergs Weiße leuchtet an den Wänden

Des Schiffes, das im Rückwärtsgehen stöhnt.

Der Tod jedoch lässt nicht den Schiffsrumpf aus den Händen,

Und die Maschinenkraft bald nur gedämpft noch tönt,

Hilflos bei Meeresmeilen und fern von Küsten und Geländen.

 

Das Schiff, das unversinkbar galt und stolz ins Meer hintrat,

Vor einem Eishauch sollte es verschwinden!

Die blind das Wort "Titanic" erst geblendet hat,

Die Tausend mussten rasch den Tod hier finden.

An ihren Leibern werden weit im Meer die Fische satt.

 

Zuerst noch überflog der Schrei vom sterbenden Titanen Meilen.

Das Schiff lag still. Und hilferufend von dem hohen Mast

Zerknattern hin zur Küste mit dem Funkenspruch die Zeilen

Und brachten zu den Menschen Schrei um Schrei mit Hast

Hin nach Europa und Amerika, die sich in die Titanenschmerzen teilen.

 

Ein Sarg für Tausende, liegt auf dem großen Meere der Koloss.

Und auf ihm wimmelt′s jetzt von all den kleinen

Begierdewesen, die der Eisberg aufgerüttelt seit dem Todesstoß,

Die aber nicht den Tod erkennen mögen und die Gefahr verneinen.

Sie dünkten Schöpfer sich noch immer und blieben, ach, Geschöpfe bloß.

 

Tief drinnen eilen durch des Schiffes helle Gänge

Die Stewards, und sie klopfen kurz bei jedem an.

Sie klopfen an die tausend Türen in jenes Schiffes Riesenlänge.

Und an die tausend Herzen auch in jenem Riesenkahn

Tönt knapp das Wort "Gefahr", dies Wort belächelt von der Menge.

 

Ein wenig Neugier weckt es erst nur hier und dort.

Man witzelt und begleitet sich zu hellen Stufen,

Besteigt den Fahrstuhl und die Treppen, noch in dem Mund das Wort,

Das ganz unglaubliche, das aufgetaucht da ungerufen

Man hört es abermals und hört es fort und fort:

 

Gefahr! - Man will den Witz leibhaftig miterleben,

Denn nur ein Witzbold denkt hier an Gefahr,

Wo Tausende auf stolzer Höhe des Triumphes schweben.

Denn nirgendwo man sicherer als hier im Schiffe war, -

Die Ingenieure hatten gestern erst dies Urteil abgegeben.

 

Es staut sich noch kein sonderlich Gedräng′,

Man bildet Gruppen zwanglos unter Plaudern.

Auch dann wird nicht die Luft den Tausend eng,

Als die Maschinen in dem Schiffsraum zaudern.

Dort ordnet eine Dame noch ihr Ohrgehäng′,

 

Und andere vor Spiegeln leicht ihr Haar betasten,

Das sich ein wenig lockerte beim Tanz,

Beim Druck der Diademe und der Perlenlasten.

Und an Gefahr glaubt keine unterm Lichterkranz,

Wenn auch dem Schiff die Atemzüge rasten.

 

Doch kaum ein Stündlein später sind entstellt

Im gleichen Saal die gleichen Angesichter.

Noch immer glänzt dieselbe Spiegelwelt.

Die Menschenmenge aber keilt sich ängstlich dichter

Zum Bug, der wie ein Pferd sich hochgestellt ...

 

Die letzten Rettungsboote rudern weiter,

Ein jedes nur ein Menschenhäuflein fasst.

Im Wasser aber schreien Hunderte, die gleich wie Reiter

Die Wellen anzuspornen scheinen und in Hast

Wie Korke fliegend schwimmen, denn ein neues Wort wächst breiter:

 

"Der Tod." - Der dunkle Menschenhaufen auf dem Bug,

Aus dem Pistolenschüsse fallen, tobt unbändig.

Der Tod steht überall jetzt auf, Gefahren gibt′s genug.

Die Elemente und die Menschen, sie werden laut geständig,

Dass Leben stets dem Leben, ach, die Todeswunden schlug.

 

Sie alle raubten immer, um zu leben.

Dem Tod sind wenig Freunde nur bekannt.

Nur wenig sah ich, die sich friedlich ihm ergeben.

Ein altes Paar vor mir hat sich ihm lächelnd zugewandt,

Ich seh′ der beiden Seelen vereint dem Tod entgegenschweben,

 

Man wollt′ die Gatten trennen. Doch die Frau

Mocht′ nicht allein das Rettungsboot besteigen.

Ein lieblos Leben scheint der Lebensreifen rau.

So teilt sie mutig mit dem Mann das Todesschweigen,

Und beide Alten, eng umarmt, sie halten lautlos Totenschau.

 

Und Segen auch verdienten sich noch viele;

Auf mancher Todesstunde Lorbeer ruht.

Manch′ Millionär, der nur des Lebens Spiele

Gekannt, steht ab, zu retten sich sein Blut. -

Er nimmt die Rettung anderer zum Ziele ...

 

Im Abendkleid, dem lang die Schleppe schleift,

Stehn Damen fröstelnd dichtgedrängt im Dunkel,

Den Hals und auch die Brüste wie bereift

Von Verlenprunk und Diamantgefunkel -

Der Tod auch nach den Edelsteinen greift.

 

Das Licht ist jetzt erloschen in den Räumen,

Doch bringt man Kerzen und beleuchtet schnell.

Das Wasser steigt, und näher tönt sein Schäumen.

Der Kerzenschein erstreckt sich flackernd grell

Auf die vom Tod Gezeichneten, die noch vom Leben träumen.

 

Der Kapitän darf stolz die Hoffnung noch nicht sinken sehn.

Er muss des Meerpalastes Untergang verneinen,

Solange knatternd noch die Funkensprüche übern Ozean gehn,

Die sich wie letzte Lebensstrahlen rund um die Todesnot vereinen

Und um zwei Männer, die im Telegraphenraum im Wasser stehn.

 

Das Grab nur konnte jene Braven von ihrem Lebensdienst entbinden.

Des Schiffes Fühlung mit der Welt, sie schwand mit ihnen schwer.

Den Rettungsgürtel um, so funken sie, bis ihre Kräfte schwinden,

Bis sie am Telegraphen ablöst stumm das Meer

Und sie als letzte Antwort dann den Tod am Apparate finden.

 

Unheimlich wächst das Wasser rund heran,

Und manchem kehrt zurück die ferne Seele,

Die hochmütig er längst schon abgetan.

Doch sitzt Gefahr dem Menschen an der Kehle,

Springt leicht der Zweifelnde auch in den Glaubenskahn.

 

Im Speisesaal, wo noch vor einer Stunde

Gar festlich die befrackte Herrenschar

Den Schaumwein schlürfte und das Lachen in der Runde

Aufdringlich dröhnte, blind erhaben der Gefahr, -

Da halten Musikanten noch die Instrumente an dem Munde.

 

Und durch die Not klang übers Schiff: "Hin Gott zu dir!"

Und manches Auge weinte in dem Prunken

Des Saales, der geschmückt mit goldner Zier,

Wo Violin und Flöte jetzt noch tönetrunken

Zum Frieden wiesen, fern der Lebensgier.

 

Das Schreien aber, das im Schiff sich rührte,

Als krachend nun der Rumpf im Kesselraum zerriss

Und Tausende zur Meerestiefe führte,

Das Schreien sich gar grimmig in mein Herz einbiss,

Als wär′s mein eigen Leben, das ich sterbend spürte.

 

Es schrie die Welt auf, die der Mensch gebaut,

Es schrie die Sucht auf jener tausend Leben,

Die stolz der Menschen Eitelkeit vertraut.

Es schrie die Lust, dem Tod den Tod zu geben,

Es schrie der Glanz, dem vor dem Dunkel graut.

 

Es schrieen Stimmen, so wie Tiere brüllen,

Wenn sie der Mensch von ihrer Herde reißt ...

Dann sah ich alle Bilder sich verhüllen,

Und eine Hand, die mich ins Leben weist,

Sie muss des Buches Seiten rasch zerknüllen.

 

Getragen von dem eisigsten der Winde,

Noch lange ich auf leeren Wassern flog,

Und nicht sogleich ich wieder heimwärts finde.

Ein tödlich kalter Atem mit mir zog,

Als schmolz das Sterben auch des Eisbergs Rinde.

 

Am Eise hängen sich die Toten fest,

Und Haufen Sterbende verröcheln stöhnend.

Verschwunden ist des Schiffstitanen Rest.

Das Wasser rauscht an jener Stelle tönend,

Und nur der Tod hält noch ein wildes Fest.

 

Von Zeit zu Zeit, da tauchten Boote auf.

Ich sah noch Männer sich im Wasser raufen.

Geschmückte Frauen steuerten der Boote Lauf,

Ich höre Schwimmende um mich verschnaufen

Dicht bei der Leichen enggedrängtem Hauf...

 

Der Morgen kam mit seiner leichten Röte,

Als wüsst′ er nicht, was hier die Nacht gesehn.

Die Welle aber sprach zur Welle weiter. "Töte!

Kein Leben soll hier dem Triumph des Todes heut entgehn."

Und da und dort versanken dann die menschenvollen Böte. -

 

Fern rotes bald und grünes Licht im Morgendämmern blinkt, -

Es sind Laternen eines Dampfers, den zur Nacht gerufen

Durch viele Meilen her der Telegraph. Man winkt.

In allen Booten aber war es jetzt, als schufen

Die beiden Lichter neu den Mut, der schon versinkt.

 

Der Dampfer lässt die Treppen zu den Booten nieder.

Man kommt und rettet, wo man retten kann.

Doch die Geretteten erkennen nicht sofort das Leben wieder,

Und manche zarte Frau, die da im Boot gerudert hatte wie ein Mann,

Sieht noch vor sich den Tod durch die erschöpft geschlossenen Lider.

 

Und viele, die man aus den Booten hebt, die schreien wild,

Sie wollen nicht vom Grab da unten scheiden.

In ihren Augen brennt noch Schreckensbild um Bild,

Sie wollen nicht gerettet sein von ihren Leiden, -

Es deckte ihre Liebsten zu der ungeheure Meeresschild.

 

Und andere, die sich ergeben in das Todeswerben,

Die sich schon ihrem Untergang versöhnt,

Sie sehen in dem Tod nicht mehr Verderben -

Erlösung von dem Dasein, das nur raubt und stöhnt.

Sie wollen nie das Leben mehr betreten, - nur sterben, sterben.

 

Mit dem Geschmack des bittern Meeres noch im Mund

Und vor mir Leben, das die Hand mir leckte,

Erwachte ich. Ans Knie strich mir mein Hund.

Erstaunt ich mich in meinem Zimmerraum entdeckte,

Im Herzen noch der Schiffswelt Todesstund′.

 

Ich seh′ den Hund an, der da vor mir kauert,

Und der mit seinen Augen stumm mich fragt:

"Herr, sprich, warum dein Menschenblut erschauert.

Die Stille um dich stundenlang schon klagt,

Sie rief mir zu: Sieh doch, dein Herr, er trauert." -

 

Und ich besinne mich, dass ich da nächtens las

Von einem großen Schiff das große Untergehen,

Und dass ich miterlebt Titanenunglück und des Todes Hass.

Beim Leben, das wir gerne triumphieren sehen,

Die Todeskälte schon im Morgen saß.

 

Noch jenen Traum im Aug′, schau′ ich zur Zimmerdiele,

Die wurde wie der Grund vom tiefen Meer.

Erdrückt von Haufen Gold sah ich der Menschen viele.

Denn jener Schiffstitan, er war an Goldlast schwer.

"Die Glücklichen," so seufzte ich, "sie kamen nun zum goldnen Ziele."

 

Ich sprach es, todeslustig noch, und wurde langsam wach.

Vor mir, zerpresst vom Gold, verschwanden jene Toten.

Und draußen stand die Sonne überm Nachbardach,

Und ihre Strahlen mir ihr Lebenslicht anboten.

Da griff mein Atem zu. Ich dachte nicht mehr heiß dem Untergange nach.

 

Ich streichelte den Hund, der lebenskräftig bellte,

Und fühlte mich von Sterbequalen frei.

Das Licht, das süße, das mein Herz erhellte,

Entrückte mich dem großen Todesschrei,

Der fern in der Erinnerung noch gellte.

 

Das Schicksalsbuch, darin ich weiterlas,

Es schlug mir neue Bilder auf und Seiten.

Doch zwischen neuen Zeilen ich es nie vergaß,

Dass Menschen ihrem Tun den Untergang bereiten,

Wenn nicht die Demut mit beim Werke saß.



(* 25.07.1867, † 29.08.1918)




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