Graf Bojardo ritt zum Jagen

Aber nicht auf Hirsch′ und Rehe,

Denn in seinem Innern nagen

Eines Dichters Gram und Wehe.

 

Er, der kühne Rolandsänger,

Sonst um Namen nicht verlegen,

Sucht just einen immer länger

Für den kecksten seiner Degen.

 

Denn der Name schien zur Sache

Wichtig ihm aus vielen Gründen;

Unter′m grünen Waldesdache

Hofft′ er heute ihn zu finden.

 

Horch, da reißt vom Bergesstollen

Sich ein Fels mit einem Male,

Und mit ungestümem Rollen

Stürzt er donnernd in die Thale.

 

Hei! so wild, unbändig prächtig

Ist Bojardo′s Held erfunden:

Aus den Träumen reißt′s ihn mächtig,

Und - der Name ist gefunden!

 

»Rodomonte! Rodomonte!«

Jauchzt′ er laut auf hohem Rosse

Und, so eilig als er konnte,

Sprengt′ er heimwärts nach dem Schlosse.

 

Läßt mit seinen Glocken allen

Läuten, was man läuten konnte,

Durch Scandiano′s weite Hallen,

Tönt sein jubelnd: »Rodomonte!«

 

Volk und Diener ängstlich flohen

Hier- und dorthin bei dem Läuten,

Doch - kein Feuer sieht man lohen,

Niemand weiß den Lärm zu deuten.

 

Wie nun Alles stand im Kranze

Und nicht g′nug sich wundern konnte,

Schrieb Bojard die erste Stanze

Von dem Helden Rodomonte!

 

Und, dieweil ein Stein′ alleine

Schon bewirkte solche Thaten,

Nennt man Alles, was zum Scheine

Lärmen macht: Rodomontaden!


Das Gedicht "Rodomonte" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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