Zu einem Bilde.

 

Schon sinkt die Sonne hinter dem Haag,

Wo nur mein Mütterlein bleiben mag?

Sie ging in die große Stadt hinein

Und wollte zurück vor Abend sein,

Doch schon wird′s dunkel im grünen Wald,

Mütterlein lieb, kommst du bald?

 

Mütterlein sprach: Hier warte mein,

Spiel′ an der Quelle silberrein,

Quelle, Blumen und Vöglein gut

Nehmen dich fromm in ihre Hut,

Sicher umfängt dich der grüne Wald,

Fürchte dich nicht, ich komme bald!

 

Und mit den Blümlein hab′ ich gespielt,

Mich an der frischen Quelle gekühlt,

Habe den Vöglein zugehört,

Im Busche manch′ Häschen aufgestört,

War so froh in dem grünen Wald,

Dachte fast, Mütterlein käm′ zu bald!

 

Doch jetzt sind sie alle zur Ruh′,

Den Blumen fielen die Aeuglein zu,

Vöglein schläft auf dem Zweige fest,

Häschen suchte sein weiches Nest;

Mich auch schläfert im grünen Wald,

Mütterlein lieb, kommst du bald?

 

Alle ließen sie mich allein,

Nur nicht die Quelle silberrein,

Sie erfüllet treulich dein Wort,

Murmelt und rauschet immerfort,

Wacht bei mir in dem grünen Wald -

Warte nur, Mütterlein kommt jetzt bald!


Das Gedicht "Das Kind an der Quelle" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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