Abend sinkt mit seinem Frieden

Auf die Berge, in das Thal -

Holdes Bild! das mir beschieden

Ist, im letzten Tagesstrahl!

 

An den blauen, duft′gen Höhen

Dehnt sich glühend dort im West -

Eines Grußes letztes Wehen -

Noch des Abendgoldes Rest.

 

Und des Stromes glatte Bahnen

Kaum die Welle mehr bewegt,

Läßt die ew′ge Macht nur ahnen,

Die ihn rastlos weiter trägt!

 

An des Himmels fernsten Räumen

Selbst die Wolke zögert still,

Harrend, ob mit goldnen Säumen

Sie das Mondlicht kränzen will.

 

Friede! süßes Glück von Oben!

Welch′ ein Zauber dich umflicht!

Hemmst des Stromes wildes Toben,

Bannst in Ruhe Luft und Licht.

 

Und mein Herz, es wird so milde,

Wird so stille, wie noch nie,

Fühlt sich mit dem sanften Bilde

Ganz in reinster Harmonie.

 

Wenn so jeder Wunsch kann schweigen,

In der Brust, die menschlich fühlt,

Jede Sehnsucht muß erbleichen

Von der Ruhe Glück umspielt.

 

Darf nur einen Wunsch entbieten

Noch des reichen Herzens Schlag:

Daß es stets in gleichem Frieden

Solch ein Bild genießen mag!


Das Gedicht "Am Rheine" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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