Bei einem Wirte, wundermild;

da war ich jüngst zu Gaste;

ein goldner Apfel war sein Schild

an einem langen Aste.

 

Es war der gute Apfelbaum,

bei dem ich eingekehret;

mit süßer Kost und frischem Schaum

hat er mich wohl genähret.

 

Es kamen in sein grünes Haus

viel leichtbeschwingte Gäste;

sie sprangen frei und hielten Schmaus

und sangen auf das beste.

 

Ich fand ein Bett zu süßer Ruh

auf weichen, grünen Matten;

der Wirt, er deckte selbst mich zu

mit seinem kühlen Schatten.

 

Nun fragt′ ich nach der Schuldigkeit,

da schüttelt′ er den Wipfel.

Gesegnet sei er allezeit

von der Wurzel bis zum Gipfel!


Das Gedicht "Einkehr" stammt von (* 1787-04-26, † 1862-11-13).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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