Der stille Tag spann gold′ne linde Fäden ...

Ein Seidennetz, das unsre Frühlingserde

Dem Himmel nah′ zog. Und vom Himmel strich

Ein ferner, frommer, ahnungsbanger Hauch

Darüber hin. Und immer musst′ ich denken

An jenes Märchen denken ... thöricht ... schön ...

... Von Palmengärten, Engeln, süssem Frieden

In Gottes wunderliebem Himmelreich.

Ringsum lag′s wartend still ... die Halme wehten

Und sinnend goss die Sonne ihren Blick

Auf leuchtend grüne, leisbewegte Wälder,

Und auf verträumte weite Fluren hin,

Und alles lag in goldverklärter Schöne,

In Erdenschöne.

 

Von der Erde wob

Ein grünes Athmen schwellend herben Lebens

Darüber hin.

 

Es war, es war als ob

Die lebensheisse, ewig irre Erde

Aufseufzend innehielt′ in tollem Lauf ...

Sich an des Himmels weite Brust zu schmiegen,

Das müde Herz in blauen Traum zu wiegen ...


Das Gedicht "Juni-Nachmittag" stammt von   (1877 - 1897).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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