Das ist ein sündhaft blauer Tag!

Die Luft ist klar und kalt und windig,

weiß Gott: ein Vormittag, so find ich,

wie man ihn oft erleben mag.

 

Das ist ein sündhaft blauer Tag!

Jetzt schlägt das Meer mit voller Welle

gewiß an eben diese Stelle,

wo dunnemals der Kurgast lag.

 

Ich hocke in der großen Stadt:

und siehe, durchs Mansardenfenster

bedräuen mich die Luftgespenster ...

Und ich bin müde, satt und matt.

 

Dumpf stöhnend lieg ich auf dem Bett.

Am Strand war es im Herbst viel schöner ...

Ein Stimmungsbild, zwei Fölljetöner

und eine alte Operett!

 

Wenn ich nun aber nicht mehr mag!

Schon kratzt die Feder auf dem Bogen –

das Geld hat manches schon verbogen ...

Das ist ein sündhaft blauer Tag!


Das Gedicht "Schöner Herbst" stammt von (* 1890-01-09, † 1935-12-21).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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