In jeder Stadt streicht ein Nabolium sich die schwarze Locke

aus seiner Stirn –

jedweder Bürger prangt in prallem Waffenrocke

und einem blanken Pappmaché-Theaterhirn.

 

Zweihundert Pferde machen Staub und andre Sachen –

ein Böller kracht ...

Handlungsgehilfen, Handwerksmeister wachen

lang hingestreckt, auf Posten, in der Sommernacht.

 

Ein Orden winkt; laut klopfen aller Herzen –

bengalisch Feuer flammt ...

Ein Sängerchor greift tief erregt in falsche Terzen,

Nabolium schwitzt, und Yorckn rutscht die Hose – au verdammt!

 

Die Brücke fliegt! Gehulter und Gepulter ...

Ein lebend Bild – wer hätte das gedacht!

Und nachher kloppt der Zar dem Friedrich Wilhelm auf die Schulter:

»Das hammer ganz fermost gemacht!«


Das Gedicht "Säcksche Festspiele" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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