Die hiesige Garnisonverwaltung –
(wir sind schon weit in der Kultur)
die brauchte zwecks Toilettegestaltung
Papier – und zwar Makulatur.
Doch darf kein Blatt von jener Sorte,
so roh, so rot und so verderbt
darunter sein – An solchem Orte
kann man nie wissen, ob das färbt.
Ertappt man etwa die Rekruten,
und lesen sie solch ein Traktat,
und grad, wenn sie – Reveille tuten:
das wäre glatter Hochverrat!
Wir dürfen dieses nicht beklagen! –
... ›Kreuzzeitung‹ ... ›Post‹ – nun – weg ist weg!
Und sie erreichen sozusagen
den eigentlichen Bestimmungszweck.
Das Gedicht "Rotundenzensur in Königsberg" stammt von Kurt Tucholsky (1890 - 1935).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
Zur Startseite:
Gedichte