Da oben spielen sie ein schweres Drama

mit Weltanschauung, Kampf von Herz und Pflicht:

Susannen attackiert ein ganz infama

Patron und läßt sie nicht.

 

Ich sitze im Parkett und zück den Faber

und schreibe auf, ob alles richtig sei;

Exposition, geschürzter Knoten – aber

ich denk mir nichts dabei.

 

Mein Herz weilt fromm bei jenem lieben Kinde,

das lächelnd eine Kindermagd agiert:

ich streichle ihr im Geiste sehr gelinde,

was sie so lieblich ziert,

 

Nun sieh mal einer diese süßen Pfoten,

dies Seidenhaar mit einem Häubchen drauf –

es gibt da sicher manch geschürzten Knoten:

ich löst ihn gerne auf.

Wer sagte da, dass ich nicht sachlich bliebe?

(Nu sieh mal einer dieses schlanke Bein!)

Begeisterung, Freude am Beruf und ›Liebe‹ –:

So soll es sein!


Das Gedicht "Kritik" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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