Nun zwängt, die sonst Musik die Töchter lehrte,

sich ins Schwarzseidene mit dem Krachkorsett;

und dass man Haydn, Bach und Koschat ehrte,

beweist man durch Gesang und am Spinett.

 

Nun schlagen wieder löwenmähnige Meister

mit ihren Pranken auf die Flügel ein,

und fiedelt jemand Violin, dann heißt er

Mischka und soll erst sieben Jahre sein.

 

Du siehst mich lächelnd an, Eleonore –

auch du, Geliebte, seist ein Singtalent?

Doch jach entfleucht durch meinem rechten Ohre,

was dein Sopran mir in das linke flennt.

 

Ach ja, der Herbst! Die Blätter werden gelber,

und jedes Mädchen kriegt ein hohes C,

und auch der Muhsikpädagoge selber

stund auf und tremolieretee ...

 

Du Stadt der Lieder, bist du nicht verwundert?

So jedes Jahr hast du um den Advent

Musikkonzerte Stücker achtzehnhundert –

doch mit Gewinn: nur sechseinhalb Prozent.


Das Gedicht "Die Musik kommt" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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