Schreib, schreib ...

Schreib von der Unsterblichkeit der Seele,

vom Liebesleben der Nordsee-Makrele;

schreib von der neuen Hauszinssteuer,

vom letzten großen Schadenfeuer;

gib dir Mühe, arbeite alles gut aus,

schreib von dem alten Fuggerhaus;

von der Differenz zwischen Mann und Weib ...

Schreib ... schreib ...

 

Schreib sachlich und schreib dir die Finger krumm:

kein Aas kümmert sich darum.

 

Aber:

schreibst du einmal zwanzig Zeilen

mit Klatsch – die brauchst du gar nicht zu feilen.

Nenn nur zwei Namen, und es kommen in Haufen

Leser und Leserinnen gelaufen.

"Wie ist das mit Fräulein Meier gewesen?"

Das haben dann alle Leute gelesen.

"Hat Herr Streuselkuchen mit Emma geschlafen?"

Das lesen Portiers, und das lesen Grafen.

"Woher bezieht Stadtrat Mulps seine Gelder?

Das schreib – und dein Ruhm hallt durch Felder und Wälder.

 

Die Sache? Interessiert in Paris und in Bentschen

keinen Menschen.

Dieweil, lieber Freund, zu jeder Frist

die Hauptsache das Persönliche ist.


Das Gedicht "Das Persönliche" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte