Der dicke Bürger greift in seine Weste:

»Da nimm! mein Kind!« –

Er gibt den Sechser mit gerührter Geste –

die Träne rinnt! –

 

Das Auge tropft. Der dicke Bauch schlägt Wellen.

Er schenkte was!! – –

In solchen Patriotenrummelfällen

da tut er das!

 

Er sorgt für Veteranenpensionierung

von Stolz geschwellt –

Bei uns hat nämlich dafür die Regierung,

weiß Gott! kein Geld.

 

Denn sie muß eifrig auf die ††† Roten fahnden –

sie darf nicht ruhn.

Sie muß politische Verbrechen ahnden –

sie hat zu tun –!!

 

Das leert vor allem andern ihre Kassen. –

Fürs Kriegerpack

da betteln sie derweil auf allen Gassen –

Kornblumentag ...

 

Der Bürger denkt bei Tisch, nach süßen Torten

und blauem Aal,

(Hupp! stößt′s ihm auf – ): »Wie sind wir allerorten

christlich-sozial!« –


Das Gedicht "Blumentag" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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