Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr,

Anna-Susanna?

Weißt du noch, was damals Mode war,

Anna-Susanna?

Die Literatur trug man vorne gerafft,

jede Woche gabs ein Genie.

Und alles murmelte: "Faaabelhaft!

Rein menschlich. . . irgendwie. . .!"

 

Wo sind die Blumen vom letzten Lenz,

Anna-Susanna?

Die Betonung des kosmischen Bühnen-Akzents,

Anna-Susanna?

Das gebildete Publikum lief zuhauf

mit der Kritiker-Artillerie.

Und die Stücke führt kein Mensch mehr auf,

rein menschlich irgendwie.

 

Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr,

Anna-Susanna?

Brecht wird sein, was Sudermann war,

Anna-Susanna.

Sie brüllen sich hoch, die Reklame schreit,

das ist eine Industrie.

Pro Mann einen Monat Unsterblichkeit

- Anna-Susanna-

rein menschlich irgendwie.


Das Gedicht "Anna-Susanna" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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