Freund! Vetter! Bruder! Kampfgenosse!

Zweitausend Jahre - welche Zeit!

Du wandeltest im Fürstentrosse,

du kanntest die Athenergosse

und pfiffst auf alle Ehrbarkeit.

Du strichst beschwingt, graziös und eilig

durch euern kleinen Erdenrund -

Und Gottseidank: nichts war dir heilig,

du frecher Hund!

 

Du lebst, Lucian! Was da: Kulissen!

Wir haben zwar die Eisenbahn -

doch auch dieselben Hurenkissen,

dieselbe Seele, jäh zerrissen

von Geld und Geist - du lebst, Lucian!

Noch heut: das Pathos als Gewerbe

verdeckt die Flecke auf dem Kleid.

Wir brauchen dich. Und ist dein Erbe

noch frei, wirfs in die große Zeit!

 

Du warst nicht von den sanften Schreibern.

Du zogst sie splitternackend aus

und zeigtest flink an ihren Leibern:

es sieht bei Göttern und bei Weibern

noch allemal der Bürger raus.

Weil der, Lucian, weil der sie machte. -

 

So schenk mir deinen Spöttermund!

Die Flamme gib, die sturmentfachte!

Heiß ich auch, weil ich immer lachte,

ein frecher Hund!


Das Gedicht "An Lukianos" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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