Du schlägst die kriegerisch-verstimmte Leier,

du singst von Haß und Blut und Pulverrauch -

und heißt vielleicht nur Gottlob Emil Meier,

sanft wölbt sich dir der Zwei-Terrassen-Bauch ...

Du singst vom Sturmangriff, von roten Hosen,

von England-Haß, von Not und Schlachtengraus,

vom Panjefeind und von den Erzfranzosen -

Komm raus!

 

Komm einmal raus! Besieh dir das persönlich -

gewiß: es ist nicht immer ideal,

mitunter gehts im Kriege ganz gewöhnlich

und schmutzig zu - besiehs dir nur einmal.

Nein! das genügt noch nicht: du mußt es auch erleben,

zieh an die schlichte Farbe unsres Graus.

Mach mit! Wir woll′n dir fünf Mark dreißig geben -

Komm raus!

 

Vielleicht wirst du dann endlich, endlich lernen:

Wer seine Pflicht tut, kämpft und steht und schweigt.

Steigt auch der Ruhm der Kameraden zu den Sternen -

sieh nur, wie lautlos und wie still das steigt!

Doch ziehn wir später einmal (Gott mag wissen,

wann das geschieht), zurück, sind Leid und Wirrsal aus:

dann, Meier, wollen wir dich gerne missen!

Dann bleib zu Haus!


Das Gedicht "An einen garnisondienstfähigen Dichter" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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