Marie - Du ringst die derben Hände:

"Du Sündenbabul! Pfui Berlin!"

So streust Du über das Gelände

Den Dung und die Entrüstung hin.

So geußest Du ob dem gewellten

Asphaltreich den Kritikbericht...

Marie - es dürfen viele schelten!

Du nicht!

 

Bedenk, wir könnten Dir erschließen,

wie bei Dir draußen auf dem Land

- dem rechts der Elbe - Preise sprießen

die vormals dort kein Mensch gekannt.

Wir könnten Dir so manches zeigen

Von Polenarbeit, Menschenpflicht...

Es ist jetzt Krieg - und wir, wir schweigen.

Du nicht.

 

Wir sind durchaus nicht so begeistert,

von allem, was die Panke beut:

der Schieber, der die Wechsel meistert,

die Dame, die den Schieber freut;

das Kino-Café gegenüber,

der Händler, den der Hafer sticht...

Es gibt ja manche, die stehn drüber.

Du nicht.

 

Hör auf, uns sauer anzumucken -

Bei uns hast du damit kein Glück.

Man kann zwar leicht nach unten spucken,

nach oben nicht - das fällt zurück.

Hier ziehts! Du kannst Dich leicht erkälten -

Und Du stehst selber vor Gericht.

Marie - es dürfen viele schelten!

Du nicht!


Das Gedicht "An die Marie vom Lande" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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