Mädchen, kein Casanova

hätte dir je imponiert.

Glaubst du vielleicht, was ein doofer

Schwärmer von dir phantasiert?

Sänge mit wogenden Nüstern

Romeo, liebesbesiegt,

würdest du leise flüstern:

"Woll mit die Pauke jepiekt -?"

Willst du romantische Feste,

gehst du beis Kino hin...

Du bist doch Mutterns Beste,

du, die Berlinerin -!

 

Venus der Spree - wie so fleißig

liebst du, wie pünktlich dabei!

Zieren bis zwölf Uhr dreißig,

Küssen bis nachts um zwei.

Alles erledigst du fachlich,

bleibst noch im Liebesschwur

ordentlich, sauber und sachlich:

Lebende Registratur!

Wie dich sein Arm auch preßte:

gibst dich nur her und nicht hin.

Bist ja doch Mutterns Beste,

du, die Berlinerin - !

 

Wochentags führst du ja gerne

Nadel und Lineal.

Sonntags leuchten die Sterne

preußisch-sentimental.

Denkst du der Maulwurfstola,

die dir dein Freund spendiert?

Leuchtendes Vorbild der Pola!

Wackle wie sie geziert.

Älter wirst du. Die Reste

gehn mit den Jahren dahin.

Laß die mondäne Geste!

Bist ja doch Mutterns Beste,

du süße Berlinerin - !


Das Gedicht "An die Berlinerin" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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